Blödmann im Kopf

05.11.2019.... ein Datum, dass sich für immer in meinen Kopf eingebrannt hat. Das Datum an dem unser ganzes Lebens sich veränderte. 

Aber beginnen wir von vorne. Eines Tages, etwa Anfang, Mitte Oktober, sagte meine 5-jährige Tochter ihr würde die linke Hand kribbeln nach dem Aufwachen. Nichts Ungewöhnliches, dachte ich. "Deine Hand ist eingeschlafen, als du geschlafen hast. Du musst sie jetzt einfach bewegen und dann geht das wieder weg.", sagte ich ihr. Tagelang war alles in Ordnung bis sie wieder sagte ihre Hand wäre wieder so komisch. Ich schaute mir die Hand an, ließ sie sie strecken, beugen, Finger durchdrücken usw. Alles war gut, dachte ich .

In der Zeit versuchten wir gerade ihr beizubringen ohne Stützräder Fahrrad zu fahren, aber es klappte einfach nicht. Sie kippte immer einfach seitlich weg, hatte kein Gleichgewichtsgefühl. Wir verstanden es nicht und versuchten es immer und immer wieder. Sie brachte uns schon an die Grenzen unserer Geduld, weil sie selber schon langsam keine Lust mehr darauf hatte. Es klappte einfach nicht und wir verstanden nicht warum.

Mittlerweile bemerkten wir auch, dass sie die linke Hand immer weniger benutzte und immer öfter sagte, sie würde ihr weh tun. 

Ende Oktober bat mich die Erzieherin im Kindergarten den Bogen über die Beobachtungen der Erzieher für die Einschulungsuntersuchung zu unterschreiben und dabei sei aufgefallen, dass sie einen Tennisball nicht fangen konnte. Die Erzieherin sagte mir, dass sie immer versuche den Ball nur mit rechts zu fangen und nicht beide Hände benutzt. 

Es war also an der Zeit etwas zu unternehmen und wir beobachteten das gesamte Wochenende vom 01.11 bis 04.11 unser Kind und ihr Verhalten. Tatsächlich.... sie benutzte die Hand nicht oder kaum noch. Wenn wir um ihre Hand baten, gab sie uns die rechte Hand. Wenn wir ihr was in die linke Hand gaben, nahm sie es zwar an, gab es aber an ihre rechte Hand weiter. Sie stützte sich beim spielen immer auf die rechte Hand. Wenn sie am Boden saß und wieder aufstehen wollte, half sie sich mit der rechten Hand hoch. Die linke Hand und somit auch der Arm hing fast immer einfach nur runter. Es brach uns das Herz das zu sehen und es war klar, dass wir gleich am Montag zum Kinderarzt mussten. 

Am Montag bekamen wir für Nachmittags auch gleich einen Termin und die Wartezeit bis dorthin schien so unglaublich lange und ich fragte mich ständig was das wohl sein konnte. Dr. Google habe ich natürlich auch befragt und soviel unzählige Möglichkeiten gefunden, dass ich fast durchdrehte und die Suche schnell wieder sein ließ, um mich nicht noch mehr verrückt zu machen.

Endlich war der Termin gekommen ich dachte der Arzt würde schnell etwas finden und wir würden mit einem Rezept für Physiotherapie wieder nach Hause gehen dürfen. Falsch gedacht... Der Arzt nahm sich Zeit und führte mit ihr verschiedene neurologische Untersuchungen durch, wie er mir erklärte. Er stellte mir viele Fragen, wie z.B. ob sie in letzter Zeit gestürzt sei, ob sie einen Unfall hatte, ob wir sie mal versehentlich zu fest am Arm gezogen haben usw. Ich machte mir so viel Gedanken und war mir sicher, dass ich alles verneinen konnte, fragte mich aber innerlich doch immer, ob ich nicht doch mal zu fest gezogen hatte oder doch irgendwie etwas falsch gemacht hatte. 

Nach der ausführlichen Untersuchung sagte mir der Arzt, dass sie tatsächlich viel weniger Kraft in der linken Hand und im Arm hat und er uns gerne stationär im Krankenhaus aufnehmen möchte, um auszuschließen, dass es doch etwas neurologisches ist. Es wäre gut, sie im Kernspint zu untersuchen. Sollte dort nichts rauskommen, könnten wir dann weitere Untersuchungen vor Ort machen. Ich war geschockt und sprachlos. Ins Krankenhaus? Stationär? Tausend Gedanken rasten mir durch den Kopf, während der Kinderarzt schon mit dem Krankenhaus telefonierte und die Papiere für die stationäre Aufnahme fertig gemacht wurden. Ich rief meinen Mann an und klärte ihn auf. Er müsse sofort kommen, da unsere Tochter ins Krankenhaus muss und er sich um die kleine Tochter kümmern müsse. 

Schnell fuhr ich nach Hause um noch eine Tasche mit ein paar Klamotten und Waschzeug für die nächsten zwei Tage zu packen. In der Zeit kam auch schon mein Mann und wir machten uns, immer noch sprachlos, auf den Weg ins Hegau-Bodensee-Hochrhein-Klinikum in Singen. Nach der Anmeldung und dem Marathon der typisch deutschen Bürokratie kamen wir auf die Kinderklinik, wo man uns bereits erwartete. 

 

 

 

 

Fortsetzung folgt in den nächsten Tagen.